AV-Solidus, Constantinopolis, 1. Offizin; 4,47 g. Zwei Kaiser sitzen v. v., jeder mit Globus, darüber Kreuz//Engel steht v. v. mit Kreuzstab und Kreuzglobus, r. Stern. DOC 5 (ohne diese Offizin); Hahn/Metcalf O 5/R -; Sear 117 = 120 (120 irrtümlich mit Thron auf dem Avers beschrieben). Von großer Seltenheit. Gutes sehr schönExemplar der Sammlung Topp, Dormagen.
Exemplar der Auktion Emporium 81, Hamburg 2018, Nr. 516; danach erworben im November 2021 bei MA-Shops von Munthandel G. Henzen, Amerongen.
Laut Prokop soll Justin bei seinem Amtsantritt im Jahr 518 bereits ein alter tattriger Mann gewesen sein, weshalb sein Neffe Justinian für den gesamten Zeitraum seiner Herrschaft quasi die Regierungsgeschäfte übernommen habe. Dagegen spricht allerdings die aktive Beteiligung Justins an der Auflösung des Kirchenschismas, der Erlass von Gesetzen und zahlreiche andere Regierungshandlungen. Justinian scheint dagegen nicht im Wesentlichen regierungsbeteiligt. Obwohl er wie auf unserem Stück vereinzelt auf dem Avers der Goldprägungen neben Justin gezeigt und auch in der Vorderseitenlegende D N IVSTIN ЄT IVSTINIAN P P AVG mit benannt wird, beginnt die Rechnung seiner Regierungszeit erst mit dem Tod Justins im Jahr 527. Während es im 4. Jahrhundert lediglich möglich war, die jungen, biologisch verwandten Mitregenten neben dem amtierenden Kaiser auf den Münzen darzustellen, führte der Mangel an direkten männlichen Nachkommen im 6. Jahrhundert dazu, dass auch die designierten Nachfolger neben dem Herrscher gezeigt wurden. Diese Darstellungsform der Ko-Regentschaft dominierte die byzantinische Münzprägung bis ins 11. Jahrhundert hinein. Croke, B., Justinian under Justin. Reconfiguring a Reign, in: Byzantinische Zeitschaft 100 (2007), S. 13–56; Grierson, P., Byzantine Coinage, Washington 1999, bes. S. 25 f.