eLive Auction literature 2025 - day 1 (Lots 6001 - 6706)
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Monographs, collected works and essays: General numismatics and antiquity

NUMISMATIC LITERATURE MONOGRAPHIEN, SAMMELWERKE UND AUFSÄTZE

Lot 6059

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ALLGEMEINE NUMISMATIK STRADA VON ROSBERG, O. DE.

STRADA VON ROSBERG, O. DE.

Genealogia et Series Serenißimorum & Potentißimorum Austriae Ducum, Regum, et Imperatorum: Eorumque illistriss. Coniugum, et Liberorum utriusque sexus a Rudolpho Habsburgensi Imperatore ad Inuictissimum Ferdinandum II Rom. Imper. semper Augustum, &c. Frankfurt/Main (Eberhard Kiefer und Caspar Röteli) 1629. 514, 8 unpaginierte S., zahlreiche Abb. Dekesel S 231. Vorgebunden: Das Titelblatt der ansonsten weitestgehend unveränderten Ausgabe Leiden ([Cornelis, Jacob und Petrus] Hack) 1664 (Dekesel S 232). Halbleineneinband im Quartformat, wohl um 1900, mit goldgeprägtem Rücken. Die Buchdecke etwas berieben. 1355 Gramm.

 

Das vorliegende Werk stellt einen späteren Ausläufer aus der Gruppe der sogenannten 'ikonographischen Münzbücher' dar. Seit dem zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts veröffentlichten verschiedene Autoren und Verlage Werke, die einen von der römischen Antike bis in die damalige Gegenwart reichenden historischen und biographischen Überblick über die Abfolge der römischen und byzantinischen Kaiser, den Karolingern bis zu den Kaisern des Heiligen Reiches Deutscher Nation beinhalteten, wobei manche dieser Veröffentlichungen auch die Abfolge mancher Herrscher anderer Staaten mit einbezogen. Die in solchen Druckwerken besprochenen Personen wurden im Text möglichst mit einem oder mehreren Holzschnitten ihrer Porträts ausgestattet, meist in Form medaillonförmiger Darstellungen, deren Vorlagen von Münzen stammten oder auch von Phantasieschöpfungen antiker Münzen, die seit der Renaissance produziert worden sind ('Paduaner'). Soweit nicht auf solche Belege zurückgegriffen werden konnte (z. B. bei bestimmten Herrschern des Frühmittelalters), kamen mitunter auch frei erfundene Konterfeits in Medaillonform zum Einsatz. Von den Münzvorlagen wählte man anfangs größtenteils nur die Porträtseiten zur Illustration solcher Bücher, später dokumentierte man nicht allein die Kopfseite, sondern fügte dieser auch ein Reversbild hinzu, wobei so nicht immer faktisch zusammengehörige Motivkombinationen zustande kamen.
Das hier zur Versteigerung gelangende Werk ist zurückzuführen auf das von Jacopo Strada (* 1507 in Mantua, † 1588 in Prag) initiierte ikonographische Münzbuch 'Imperatorum romanorum omnium orientalum et occidentalium verissime imagines ex antiquis numismatis quam fidelissime delinatae. [...]', das 1559 in Zürich herausgegeben worden war (Dekesel S. 74). Es folgte auf die in ähnlicher Manier angelegte 'Eptitome thesauri antiquitatum [...]', die erstmals 1553 in Lyon sowohl in einer lateinischen (Dekesel S. 70) als auch in einer französischsprachigen Ausgabe (Dekesel S. 71) erschienen und wenige Jahre später abermals verlegt worden war, nun in einer 1557 verausgabten Neuausgabe der Fassung in Latein (Dekesel S. 72) und 1558 in der von Dietrich Keller besorgten deutschen Übersetzung (Dekesel S. 73), die beiden letzteren ohne Nennung des ursprünglichen Urhebers. Strada lebte bereits in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts in Süddeutschland, ehelichte 1544 die aus einem fränkischen Adelsgeschlecht stammende Baroness Otilie Schenk von Rosberg († 1578) und bekam 1549 das Bürgerrecht der Reichsstadt Nürnberg zugesprochen (Hilda Lietzmann, Der kaiserliche Antiquar Jacopo Strada und Kurfürst August von Sachsen. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte. 60 (1997), S. S. 377-400, hier Anm. 4). In jenen Jahren war Jacopo bereits auch als Antiquar, Agent und Kunsthändler für den begüterten Augsburger Kaufmann Jakob Fugger tätig, der ihn Jahre zuvor in Italien kennen- und schätzen gelernt hatte. Jacopos profunden Kenntnisse in der Architektur, Kunst und Geschichte, sein Geschäftssinn sowie seine persönlichen Verbindungen, verknüpft mit einer Bereitschaft zum Reisen, eröffneten ihm viele berufliche Chancen. Er war eine umtriebige und multitalentierte Unternehmerpersönlichkeit, die seine bis in höchste Adelskreise hineinreichende Kundschaft nicht nur mit Antiken belieferte, sondern auch als Goldschmied, Architekt und Raumgestalter dienlich war. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Italien ließ sich Strada 1558 in Wien nieder, ließ dort eine hochrepräsentative Residenz errichten, die er auch mit einer Kunstkammer und einer Bibliothek versah. Kaiser Ferdinand I. beauftragte ihn mit Bauprojekten, ebenso sein Nachfolger Maximilian II., fortan einer seiner maßgeblichen Förderer, der ihn 1564 auch zum kaiserlichen Antiquar und Kunstlieferanten für die Residenzen in Wien und Prag machte. Seit den siebziger Jahren verschlechterte sich seine Auftragslage und sein aufwändiger Lebensstil bewirkte eine zunehmende Knappheit an Barmitteln, so dass es ihm an hinreichendem Spielraum mangelte, neue Kunstwerke zu erwerben, aber auch seine Buchprojekte zu finanzieren. So unternahm er ab 1573 verschiedene Versuche, den luxuriösen Wiener Wohnsitz samt seiner Kollektion einschließlich seiner Bücher zu verkauften. Doch scheiterten all diese Versuche. Dennoch wurde er seiner hohen Reputation nicht verlustig. Zum Dank seiner geleisteten Verdienste setzte Kaiser Matthias Ende 1574 Strada in den erblichen Adelsstand. Fortan war ihm und seinen Nachkommen gestattet, den Namen Strada von Rosberg zu führen, was seine finanzielle Situation freilich nicht wesentlich verbesserte. Nach dem Ableben seines kaiserlichen Förderers im Jahre 1576 verschlechterte sich Jacopos Lage, 1579 wurde er von Rudolph II. aus dem Dienst als kaiserlicher Architekt und Hofantiquar entlassen. Letzteren Posten übertrug der Kaiser indes Octavius Strada de Rosberg (* ca. 1550 in Prag, † 1606 wohl ebendort), einem Sohn seines vormaligen Kunstexperten. Bereits in Jacopos geschäftlicher Blütezeit hatte Octavius unter Anleitung seines Vaters seine antiquarischen Kenntnisse mehren können. Auf diesem Posten erfüllte er bis zu seinem Ableben seine Aufgaben zur Zufriedenheit des kunstsinnigen Herrschers. Die durch seinen Tod bedingte vakante Stelle des Verwalters der kaiserlichen Kunstsammlungen wurde noch im selben Jahr neu besetzt. Octavius hatte das 1559 von seinem Vater Jacopo herausgegebene Werk 'De vitis imperatorum romanorum omnium orientalum et occidentalium verissime imagines ex antiquis numismatis quam fidelissime delinatae [...]' (s. o.) einer Neubearbeitung unterzogen, deren Veröffentlichung er freilich nicht mehr miterlebte. Diese Arbeit übernahm sein Sohn Octavius [der Jüngere], der das auf Latein verfasste Werk seines Vaters mit Texten und Abbildungen bis zum damals regierenden Kaiser Matthias II. erweiterte und 1615 zum Druck brachte (Dekesel S. 228). Eine von Octavius [dem Jüngeren] erstellte Version in deutscher Sprache erschien 1618 (Dekesel S. 229), ebenfalls eine 1628 bis 1629 verausgabte dreiteilige deutschsprachige Ausgabe mit geändertem Titel und einer Kaiserreihe bis Ferdinand II. (Dekesel S. 230). Ihr auf Latein verfasstes Pendant, von dem wir hier ein Exemplar offerieren, erschien ebenfalls anno 1629. Die lateinische Ausgabe erfuhr eine Wiederauflage im Jahre 1664 (Dekesel S. 232).