Auction 441 - Part 2 (Lots 4285 - 4643)
Starts in 1 month(s) 10 day(s)

Orders and Decorations from the Estate of Wilhelm, Duke of Bavaria (1752–1837), among others

In cooperation with Philipp Württemberg Art Advisory GmbH


Coins and Medals from the Middle Ages and Modern times, particularly Denmark, Habsburg, Norway, and Saxony, including items from the Collection of Commercial Councilor Dr. Herbert Wenzel (Habsburg), the Collection of Dr. Wolfgang Kümpfel (Ernestine in Coburg and Gotha), the Collection of Jürgen and Erika Schmidt, Bovenden, and a Collection from former Aristocratic Estates.

GERMAN COINS AND MEDALS OSTFRIESLAND

Lot 4339

Lot 4339

Bid


Estimated price 5,000 €
Starting price 4,000 €

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OSTFRIESLAND, GRAFSCHAFT, SEIT 1654/1662 FÜRSTENTUM Edzard II., Christoph und Johann, 1540-1566.

Taler o. J. (Sechzigerjahre des 16. Jahrhunderts), sogenannter Interimstaler. 28,15 g. Umschriftenvariante mit kleineren Buchstaben, die Legende der Vorderseite formuliert auf Neuhochdeutsch mit niederdeutschen Versätzen, jene der Rückseite rein auf Niederdeutsch. Christus r. gegenüber dreiköpfiger Drache//Taufe Christi im Jordan. Dav. 9445 (unter Magdeburg); Slg. Opitz 1881; v. Schr. 950. Selten, besonders in dieser Erhaltung. Hübsche Patina, sehr schön-vorzüglich

Die vorliegende Prägung zählt zur Gruppe der sogenannten Interimstaler, die seit dem 18. Jahrhundert traditionell als Spottprägungen aus dem Jahre 1549 auf das Augsburger Interim gedeutet und nach Magdeburg verortet wurden, eine der Hochburgen des Protestantismus. Das 1548 von Karl V. zur Durchsetzung seiner religionspolitischen Ziele erlassene Augsburger Interim fand Ablehnung sowohl unter den Protestanten als auch in katholischen Kreisen und wurde 1552 vom Kaiser zurückgenommen.

Gemäß jüngerer Untersuchungen von Hanfried Bendig muss die frühere Verortung, der Prägeanlass und zugleich die Datierung dieser Spottaler jedoch in Frage gestellt werden. Hanfried Bendig gelang beim Vergleich dieser Stücke mit dem Danielstaler und dem Dicken Penning der Maria von Jever sowie mit ostfriesischen Prägungen von 1561 bis 1575 der Nachweis identischer Punzenbefunde für die Buchstaben G, R und T. Die Verwendung der niederdeutschen Sprache auf diesen Stücken spräche gemäß Bendig ebenfalls für die Herkunft aus der umrissenen Region. Ebenso weist das meist außerhalb des gängigen Talergewichts liegende Einzelgewicht dieser Spottaler darauf hin, dass es sich bei ihnen nicht um reguläres Umlaufgeld handelte, sondern um Zwischenstücke aus Münze und Medaille mit propagandistischer Aussage, die wohl in einer Heckenmünze entstanden sind. Somit spricht viel dafür, dass der jeversche und ostfriesische Münzmeister Dirk Iden Kruitkremer, der in den offiziellen Münzstätten Jever und Emden sowie mit stiller Duldung des Grafen Edzard II. eine solche inoffizielle Prägestätte auch im ostfriesischen Norden betrieb, die hier offerierte Spottprägung wohl in den Sechzigerjahren des 16. Jahrhunderts gefertigt hat (siehe H. Bendig, in: Jaarboek voor Munt- en Penningkunde 98, 2011, S. 122-138; Detlev Hölscher in Slg. Opitz, S. 1444-1446). Da demzufolge die Interimstaler definitiv erst mehrere Jahre nach der Rücknahme des Augsburger Interims entstanden sind, dürften andere Gründe für ihre Prägung sowie die Auswahl ihrer Umschriften und Bildmotive vorgelegen haben.