Die Sammlung Willi Schleer - Römische Provinzialprägungen | Münzen der antiken Welt, u. a. aus der Sammlung eines Antikenfreundes, der Sammlung eines Pharmazeuten, der Sammlung Christoph Buchhold und der Sammlung Dr. Carl Friedrich Zschucke
Los 6173

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| Schätzpreis | 300 € |
| Zuschlag |
Æs; 29,8 g.
Drapierte Büste r. mit Strahlenbinde//Kaiser steht l. und überreicht Tyche eine Statue des Marsyas, r. steht Amphilochos l. und bekränzt den Kaiser, davor Ochsengespann, im Abschnitt Wildschwein. RPC 1433; SNG France 2, 1931; SNG Levante 1291.
R Etwas korrodiert, sehr schön/schön-sehr schönErworben 2006 in München.
Die Darstellung auf dem Revers dieser Münze verbindet anschaulich griechische Traditionen der Stadt Mallos mit der Realität des römischen Provinzialdaseins. Mallos war unter Severus Alexander zur colonia erhoben worden. Daher verwundert es nicht, daß vor dieser Prägung des Decius bereits Münzen mit demselben Reversmotiv unter dem letzten Severer geprägt wurden.
Amphilochus galt neben Mopsos als einer der mythischen Gründungsheroen der Stadt. Seine Identität wird auf der Münze durch das Wildschwein im Abschnitt verifiziert, da es sich dabei um eines seiner Standardattribute handelt. Die Bekränzung des Kaisers durch den Gründungsheros symbolisiert die Dankbarkeit der Stadt, die sie dem Imperator für den Koloniestatus entgegenbringt. Gleichzeitig wird die zweifache Stadtgründung - einmal die tatsächliche und einmal als colonia - durch das Ochsengespann vergegenwärtigt.
Der Kaiser überreicht wiederum eine Statue des Marsyas an die Stadtgöttin Tyche. Marsyas gilt hier und auch in anderen Darstellungskontexten als Symbol der Freiheit, die der Kaiser durch die Verwaltung als colonia gewährt. Siehe hierzu S. Jellonek, Foundation Scene on Coins of Mallus, MASKA 40 (2018), S. 33-44.