eLive Auction Literatur 2025 - Tag 3 (Lose 7408 - 8107)
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NUMISMATISCHE LITERATUR AUKTIONSKATALOGE UND LAGERLISTEN

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MÜNZHANDLUNG BASEL, Auktion 3 vom 4.-5.3.1935, Basel.

No. 3. Collection de monnaies et médaillons romains formée en majeure partie par le Prince W. vers la fin du XVIIIe siècle. 4 unpaginierte, 82 S., 52 Tfn. 1071 Nrn. Orig.-Broschur. Die Schätzpreisliste ist lose beigefügt, ebenso ein vom Münzensammler Dr. Trassagnac an 'Monsieur Couturier' gerichtetes Schreiben vom 29. September 1935.

Der im Katalogtitel lediglich durch seine Namensinitiale gekennzeichnete Prinz ist schon bald seitens der numismatischen Szene dem Adelshause Waldeck zugeordnet worden (Eine unumstößliche Bestätigung dieser Zuweisungsthese findet sich in einem auf den 8.10.1935 datierten Brief von Herbert A. Cahn, beigefügt dem entsprechenden Katalog der Bibliothek Alain Poisnignon, Nr. 4204). Römische Münzen bildeten neben antiken griechischen sowie Prägungen des Mittelalters und der Neuzeit einst einen Bestandteil des heute in seiner Substanz nicht mehr bestehenden fürstlich-waldeckischen Antikenkabinetts im Schloss zu Arolsen. Die numismatische Sammlung gründet sich auf die Antikenbegeisterung der Söhne des regierenden Fürsten Carl August Friedrich (* 1704, † 1763) und der Fürstin Christiane Henriette (* 1725 in Rappoltsweiler, † 1816 in Arolsen). Schon die Eltern pflegten ihr großes Interesse an der Antike, an Kunst und Literatur und gaben dieses an ihre Kinder weiter. Insbesondere der drittgeborene Prinz Christian August (* 1744 in Arolsen, † 1798 in Sintra, Portugal) entwickelte eine große Leidenschaft für die Antike, die sich auch in seiner großen Sammelleidenschaft kundtat. Doch auch sein jüngerer Bruder Georg (* 1747 in Arolsen, † 1813 in Pyrmont) und der ältere Bruder Friedrich Carl August (* 1743 in Arolsen, † 1812 ebendort), der 1763 nach dem Tode des Vaters das Zepter im Fürstentum Waldeck-Pyrmont übernahm, bereicherten die Antikensammlung des Hauses Waldeck, und schließlich auch einige Nachgeborene mit einigen weiteren Erwerbungen. Folgt man Rudolph Gaedechens (Die Antiken des Fürstlich Waldeckischen Museums zu Arolsen, Arolsen 1862, S. 5 und 6, Anm. 1), so ging der numismatische Sammlungsbestand des Hauses Waldeck und Pyrmont aber in seinem wesentlichen Kern auf Prinz Christian August zurück, während Prinz Georg hingegen den Grundstein für diese Kollektion gelegt haben soll (Ebd., S. 6, Anm. 1). Die Masse der Arolser Münzen- und Antikensammlung ist heute längst verkauft und weit verstreut worden. Antike Münzen aus dieser Adelssammlung, die (wie das Titelblatt des vorliegenden Katalogs uns verkündet) hauptsächlich von einem Prinzen (bei dem es sich wahrscheinlich um Christian August gehandelt hat und nicht um seinen Bruder Georg) gegen Ende des 18. Jahrhunderts dem fürstlichen Bestand zugeführt worden sind, hat die Münzhandlung Basel im Rahmen von vier Versteigerungen auf den Markt gebracht (Auktionen vom 4.-5.3.1935, vom 1.10.1935 und folgende Tage, vom 18.3.1936 und folgende Tage und vom 22.-23.3.1937.
Prinz Christian August kam als drittem Sohn nicht die Rolle als Thronerbe und Landesherr zu. Vielmehr hatte man für ihn eine militärische Karriere vorgesehen. 1723 trat er als Obristwachtmeister in die österreichische Armee ein und stieg hier im Laufe seiner langen Laufbahn bis zum General der Kavallerie auf. Nach Ausbruch des Russisch-Türkischen Krieges (1768-1774) diente er mit Genehmigung des Kaisers als Freiwilliger in der Zarenarmee, um danach wieder seine Aufgaben im österreichischen Dragonerregiment Nr. 39 aufzunehmen. Diese Truppeneinheit erhielt 1781 den offiziellen Beinamen 'Prinz Waldeck', nachdem Prinz Christian August über sie das Oberkommando erhalten hatte. In dem gegen Frankreich geführten ersten Koalitionskrieg (1791-1797) verlor er 1792 als Feldmarschallleutnant auf dem Schlachtfeld seinen linken Arm, was ihn aber schon im Folgejahr nicht daran hinderte, sich an den Kämpfen rechts des Rheins wieder zu beteiligen. Für seine Verdienste empfing er noch im selben Jahr das Kommandeurkreuz des Maria-Theresienordens und erhielt 1794 die Ernennung zum General. Nach einer kurzen Tätigkeit als Generalquartiermeister der österreichischen Armee in den Niederlanden wurde er bald Mitglied des Hofkriegsrates in Wien und 1796 kommandierender General in Böhmen. Nach Einholung der kaiserlichen Erlaubnis begab er sich im August 1796 nach Portugal, wo er auf Wunsch des Königs als Feldmarschall das Kommando über dessen Landarmee erhielt, ein Auftrag, den er bis zu seinem Tode erfüllte.
Neben seiner dienstlichen Tätigkeit unternahm Prinz Christian August zahlreiche Reisen nach Italien, wo er im Kreise gleichgesinnter Freunde die hier vorhandenen Kunstwerke studierte, Ausgrabungsstätten besuchte und auch seiner Sammelleidenschaft nachgehen konnte, indem er im Land eine Vielzahl von Münzen und weiteren antiken Gegenständen erwarb. So baute er im Laufe seines Lebens beachtliche Sammlungen von Münzen und weiteren Objekten der Antike auf, darunter auch mehr als 700 antike Bronzegegenstände und diverse Marmorarbeiten sowie einen umfangreichen einschlägigen Bücherbestand. Da Prinz Christian August unverheiratet und kinderlos starb, ist davon auszugehen, daß spätestens in Folge seines Ablebens seine numismatische und archäologische Kollektionen Eingang in das fürstlich waldeckische Antikenkabinett gefunden haben.
Auch Prinz Georg stand in der Herrschaftsfolge nicht an erster Stelle. Als Georg I. wurde er 1805 Graf von Pyrmont und 1812 nach dem Ableben seines regierenden fürstlichen Bruders souveräner Fürst von Waldeck, Pyrmont und Rappoltstein. Ein tödlicher Reitunfall setzte seiner kurzen Regierungszeit ein jähes Ende.

Bei dem Schreiber des beigefügten Briefes handelte es sich um Jean Emmanuel Paul Trassagnac (* 1872 in Cherveix-Cubas, Département Dordogne, † 1944 in Azerat, Département Dordogne). Er absolvierte an der Universität Lyon ein Studium der Medizin und wurde dort 1895 auch promoviert. Bald darauf trat er in die französische Armee ein und beschritt dort dort eine langjährige Laufbahn als Militärarzt. Bereits im ersten Jahresdrittel des Ersten Weltkriegs wurde er zum Ritter in die Ehrenlegion ernannt, 1926 zum Offizier. Im Jahre 1931 trat er im Generalsrang eines Arztes des französischen Militärs in den Ruhestand. Seine zivilen Interessen galten u. a. der Numismatik (Mitglied der Société française de numismatique) und der Archäologie (Mitglied der Société Préhistorique Française). Während des Zweiten Weltkriegs trat er der Résistance bei und diente in den Forces françaises de l'intérieur als Chefarzt des 1. Regiments, Dordogne-Nord. Nachdem er in den Fokus der deutschen Besatzungskräfte geraten war, wurde er von Wehrmachtssoldaten verhaftet und am selben Tage in seinem Wohnort erschossen.
Bei dem Empfänger des Schreibens dürfte es sich wohl um Etienne Couturier gehandelt haben. Dieser wurde von 1921-1923 in Marseille unter der Adresse 11 rue Montgrand geführt, von 1924-1938 führte er seinen numismatischen Handel in dieser Stadt in der 88 rue Chape. Partien seiner Sammlung finden sich in der von Jules Florange & Louis Ciani organisierten Auktion vom 23.-24.4.1926 sowie in der von Alfred Page und Louis Ciani organisierten Versteigerung vom 7.-10.4.1930. Ein Antiquar mit demselben Namen ist bereits fassbar für das Jahr 1919 in Tunis, 7 Bab Ménara. Münzen aus dem Besitz eines weder namentlich noch ortsmäßig näher bezeichneten Herrn 'Couturier' versteigerte Jacob Schulman schon am 19.12.1910 in Amsterdam. (Zu den hier genannten Standort- und Aufenthaltsdaten von E. Couturier siehe Jean Guillemain, Un cas particulier d'archives privées: les papiers des numismates. Diplomarbeit an der école nationale supérieure des sciences de l'information et des bibliothèques [enssib], mémoire d'étude, janvier 2003, S. XXIII).