Monographien, Sammelwerke und Aufsätze: Deutschland und alle Welt, Orden und Ehrenzeichen
Los 7268

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JEHNE, P.
Über Buchdruckmedaillen. Nach einem älteren Werke beschrieben, vervollständigt und neu geordnet. Dippoldiswalde 1907. XXII, 199 S., 1 Vakatseite. Orig.-Broschur mit textilem Rücken. Beigefügt: DERS. Erster Nachtrag zu den Buchdruck-Medaillen. Gebundene Fotokopie der Originalausgabe Dippoldiswalde 1913. VIII, 49 S. Ganzleineneinband, wohl des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts, der Vorderdeckel und der Rücken goldgeprägt. 700 Gramm. (2)
Recto auf dem hinteren Deckblatt des Grundwerks die Rundstempelung EX BIBLIOTHECA / R.G. (= aus der Bibliothek Richard Gaettens). Richard Gaettens [senior] (* 1886 in Hagenow, Mecklenburg, † 1965 in Heidelberg), Sohn eines Amtsgerichtsrates, sammelte bereits seit seinem zehnten Lebensjahr Münzen und Medaillen. Anstatt aber sich der Geschichte oder verwandten kulturhistorischen Fächern zuzuwenden, studierte er von 1904 bis 1907 Chemie, Physik, Geologie und Mineralogie in Rostock und Heidelberg. Im Sommer 1909 an der Universität Rostock zum Dr. phil. promoviert, fand er 1910 eine Anstellung als Assistent am chemischen Institut der Universität in Halle an der Saale. Da sich seine Arbeit im Chemielabor für seine Gesundheit schädlich erwies und ihm Albert Riechmann, Inhaber des 1910 in Halle an der Saale gegründeten Münzenhandels- und Auktionshauses 'A. Riechmann', eine geschäftliche Partnerschaft anbot, entschied sich Gaettens, seine numismatische Passion ab 1912 zu seinem Beruf zu machen. Das fortan unter dem Namen 'A. Riechmann & Co.' geführte Unternehmen und entwickelte sich nicht zuletzt aufgrund der Fachkenntnis und des Geschäftssinns des neuen Mitinhabers bald zu einer der bedeutendsten Münzenhandlungen und numismatischen Auktionshäuser in Deutschland der Zwischenkriegszeit. Albert Riechmann trat demgegenüber auf numismatischen Sektor weniger in Erscheinung und dürfte sich mehr auf die verwaltungstechnischen Aufgaben sowie auf den Buchhandel konzentriert haben. Nachdem er sich gegen Ende der zwanziger Jahre aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, führte Richard Gaettens das Unternehmen in Eigenregie weiter. Um den Erhalt der Firma in der Weltwirtschaftskrise zu sichern, sah sich Richard Gattens in den Jahren von 1929 bis 1933 dazu gezwungen, Notverkäufe zu tätigen, zu dem auch die Veräußerungen des großzügigen Geschäftsgebäudes und seines Wohnhauses in Halle zählten. In diesem Zusammenhang steht auch die Versteigerung seiner im Laufe von knapp 35 Jahren aufgebaute Privatsammlung von Münzen und Medaillen der mecklenburgischen Herzogtümer sowie der Städte Rostock und Wismar. Die Auflösung dieses damals umfassendsten numismatischen Bestands mecklenburgischer Prägestände wurde in der 9. Auktion von Felix Schlessinger in Berlin am 7.12.1931 und folgende aufgelöst. Den Versteigerungskatalog erarbeitete Gaettens persönlich. Wenngleich er nach diesen Verkäufen kleinere Geschäftsräume beziehen und die 10.000 Bände umfasssende Firmenbibliothek auslagern musste, konnte er in der Saalestadt den Geschäftsbetrieb seiner Münzenhandlung bis auf Weiteres aufrechterhalten. Die 40. und letzte Auktion der Münzenhandlung A. Riechmann & Co. erfolgte hier im Jahre 1934. Gaettens führte in der Stadt die Geschäfte bis 1939 weiter und ließ dann vor Ort nur noch die Buchhandlung A. Riechmann & Co. bestehen, um seine Münzhandlung Gaettens unter ihrem bisherigen Namen mitsamt der gesamten Bibliothek indes nach Berlin zu verlagern. Doch nach nur rund einem Jahr verließ er die Hauptstadt wieder aufgrund der kriegerischen Bedrohungslage und bezog, einer Einladung des Fürsten von Hohenzollern folgend, seinen Wohnsitz auf dem Schloss Hohlstein bei Löwenberg in Niederschlesien. 1942/1943 konnte er mit amtlicher Genehmigung auch die Firmenbibliothek ebenfalls dort unterbringen. Gegen Kriegsende floh er mit seinen wesentlichen Sammlungsbeständen nach Westen unter Zurücklassung der Bücherbestände. Diese fielen an den polnischen Staat und bilden heute einen Bestandteil der Universitätsbibliothek Wroclaw. Richard Gaettens ließ sich im südhessischen Neckarsteinach unweit von Heidelberg nieder, wo er seine sammlerischen und publizistischen Tätigkeiten fortsetzte. Bereits 1946 berief ihn die Universität Heidelberg zum Lehrbeauftragten für mittelalterliche Münz- und Geldgeschichte. Seine Sammlung der Münzen der Stauferzeit ließ er 1959 und im Folgejahr in Luzern im Zuge zweier seitens der Bank Leu & Co. AG und der Adolph Hess A.G. gemeinschaftlich durchgeführten Versteigerungen auflösen, wobei er auch in diesen Fällen die Bearbeitung der Kataloge übernahm. Sein gleichnamiger Sohn nahm in Heidelberg seine münzenhändlerische Tätigkeit gegen Ende der fünfziger Jahre auf und reaktivierte dort auch die Buchhandlung A. Riechmann & Co., die zumindest bis zu Anfang jenes Jahrzehnts in Halle an der Saale noch bestanden hatte.