Monographien, Sammelwerke und Aufsätze: Allgemeine Numismatik und Antike
Los 6615

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ANONYMER URHEBER.
In einem späteren Bucheinband vereinte, wohl in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zusammengestellten Sammlung aus Stanniolabdrücken von ca. 1500 Guldengroschen und Talern von Münzständen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sowie talergroßer Prägungen und anderer Hauptnominale weiterer europäischer Münzstände. 267 Blätter geschöpften olivfarbenen festen Papiers, tragen einseitig die darauf montierten Abdrücke von Münzvorderseiten und deren zugehöriger Rückseiten und zugleich den Schreibgrund für eine handschriftliche Bestimmung der so dokumentierten Münze. Hinter diesen Trägerblättern mit eingebunden ist ein unvollendetes, handschriftlich erstelltes Register der auf den hier vertretenen numismatischen Zeugnissen vorhandenen Umschriften auf 15 Blättern handgeschöpften und gebleichten Papiers, dem weitere, doch jüngere, wohl in die der Zeit der Einbands zu datierende Blankoblätter folgen, die teils, unter Hinzufügung von bedruckten papiernen Buchstabenelementen, zu Registerblättern umgestaltet worden sind. Halbledereinband im Groß-Quartformat, wohl des letzten Fünftels des 19. Jahrhunderts, mit Eckbezügen, der goldgeprägte Rücken in geprägter Frakturschrift bezeichnet mit Münzensammlung. Die Deckel außen bezogen mit Gustavmarmorpapier, die Vorsätze aus einem mit floralenen Ornamenten bedruckten, strukturiertem Papier. Die Buchdecke etwas berieben und bestoßen, der vormals von den Gelenken abgelöste lederne Bezug des Rückens ist wieder aufgeklebt worden, nur vereinzelte Stanniolabrücke sind verloren gegangen. 3811 Gramm.
Eindrucksvolles kulturhistorisches Zeugnis der Gepflogenheit des Sammelns von Zinnfolie- (Stanniol-) Abdrücken historischer Münzen während des 18. und des frühen 19. Jahrhunderts und der damit verbundenen Dokumentation numismatischer Objekte, dem wohl heute aus Privatbesitz kaum Vergleichbares in ihrem Umfang und in ihrer nahezu vollständigen Überlieferung beigestellt werden kann. Zur Verdeutlichung des damaligen hohen Stellenwerts entsprechender Abdrucksammlungen im bürgerlichen Milieu sei im Folgenden ein diesbezülicher zeitgenössischer Bericht des frühen 19. Jahrhunderts aus der oberlausitzer Stadt Zittau zitiert:
'Lange Zeit fand sich keine Veranlassung, die Bibliothek mit ähnlichen [numismatischen] Vorräthen zu bereichern. Endlich zeigte sich im Jahre 1799 eine solche Gelegenheit, welche auch von dem Magistrate, vorzüglich auf thätiges Verwenden des Syndikus D. Bergmann genutzt wurde. Es bot sich nämlich der Accisecommissarius Schneegaß in Camenz, welcher die Zittauische Sammlung aus der Vorzeit sehr wohl kannte, seine, viele Jahre hindurch, mit viel Mühe und mit vielem Aufwande von ihm selbst besorgte Münzen- und Medaillen-Sammlung in Stanniol dem Magistrate zum Verkaufe an. Das Ganze nahm bloß auf die neue Geschichte Rücksicht und empfahl sich besonders durch die mit außerordentlichem Fleiße ausgearbeiteten Register, worinne jede Münze und Medaille aufs genaueste beschrieben wurde .... [So fand] man es gewiß verdienstlich, daß man diese Sammlung von Stanniol-Münzen, besonders des trefflich erarbeiteten Verzeichnisses wegen, nicht in fremde Hände kommen ließ, sondern dieselbe, wie Schneegaß selbst wünschte, der Rathsbibliothek einverleibte. Wer die Zeit, Mühe und Kosten, welche von dem Verfertiger angewendet worden sind, gehörig in Anschlag bringt, der wird die 200 Thaler, welche dafür bezahlt wurden, wohl schwerlich hoch finden. Das Ganze zerfällt in zwei Abtheilungen. Die erste enthält Römischkaiserliche, Russischkaiserliche, Spanische Portugiesiche, Französische, Engliche, Schwedische, Dänische, Ungrische, Böhmische, Polnische, Churfürstlich Sächsische und Königlich Polnische, Churfürstlich Brandenburgische und Königlich Preussische und außerdem mancherley Churfürstliche Münzen und Medaillen. Die zweyte Abtheilung begreift Herzoglich-Braunschweigisch-Lüneburgische; Fürstlich Sächsische Ernestinischer und Albertinischer Linie; mancherley Fürstliche, Gräfliche; Päpstliche; Erz- Bischöfliche; Italiänische Münzen; Münzen der freyen Republiken; illustrer Personen; Gelehrten und Künstler; städtische Münzen; wie auch auf Friedensschlüsse, auf Jubiläen, geistliche und symbolische und endlich miscellan-Münzen. Das Ganze ist eine Fundgrube für die Geschichte' (Johann Gottfred Knechke, Geschichte und Merkwürdigkeiten der Rathsbibliothek in Zittau. Zittau/Leipzig 1811, S. 144-146). Der Schöpfer der zitierten Abdrucksammlung war Ernst Ludwig Schneegass (Lausitzische Monatsschrift 1799, 7.-12. Stück, S. 425), der 1783 zum 'General-Accis-Commisarius' für die Obetrlausitz befördert worden war (Lausitzisches Magazin, 16. Jahrgang, 21. Stück vom 15.11.1783, S. 327; siehe auch: Churfürstlich Säöchsischer Hof- und Staatskalender auf das Jahr 1784, S. 139).
Die hier offerierte Kollektion dürfte aufgrund ihres Trägerpapiers sowie der Schriftform der den Abdrücke beigeordneten Kurzbeschreibungen wohl im Laufe der der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebildet worden sein und spätestens im frühen 19. Jahrhundert auf Papier montiert worden sein. Der uns überlieferte Einband ist freilich ein jüngeres Produkt (als Ersatz einer äteren buchbinderischen Arbeit?) aus dem späten 19. Jahrhundert.