Spezialsammlung Dr. Björn-Gunnar Haustein Altdeutsche Münzen und Medaillen und Deutsche Münzen ab 1871
Antike: Keltische, Griechische und Römische Münzen
Los 5982

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Julianus II. Apostata, 360-363.
Æ-Doppelmaiorina, 360/363, Arelate, 2. Offizin; 8,24 g.
Drapierte Büste r. mit Perldiadem//Stier steht r., darüber zwei Sterne, davor Adler auf Kranz.
RIC 318. R Feines Porträt, Kratzer auf dem Revers, sehr schönExemplar des Fritz Rudolf Künker Spezialangebotes Juni/Juli 2005, Osnabrück 2005, Nr. G12.
Das Münzbild rief unter der christlichen Bevölkerung von Antiochia großen Aufruhr hervor. Die Antiochener deuteten den Stier als Opferstier (siehe Szidat, Zur Wirkung und Aufnahme der Münzpropaganda (Iul. Misop. 355 d), in: Museum Helveticum 38 (1981), S. 27). Da in Antiochia eine Hungersnot herrschte und den Christen der Genuss des Opferfleisches der in großer Zahl geopferten Stiere verboten war, ist ihre vom Kaiser in seiner Satire Misopogon (Barthasser) geschilderte spöttische Reaktion auf die Münze nicht völlig unverständlich. Da der Stier auch von Socrates Scholasticus als Opferstier bezeichnet wird (hist. eccl. 3, 17) und die übrigen Deutungen des Stieres (Apisstier, Mithrasstier, goldenes Kalb, philosophisches Symbol für einen guten Kaiser und Zodiakalstier) aus vielerlei Gründen ausscheiden, handelt es sich bei dem auf dem Revers abgebildeten Stier wahrscheinlich tatsächlich um einen Opferstier (siehe Thormann, Zur Deutung des Stieres auf den Folles Kaiser Julians, in: Bremer Beiträge zur Münz- und Geldgeschichte 4 (2005)). Die jüngste Deutung des Stieres als Konzeptionszeichen (Ehling in JNG 55/56, S. 111-132) steht im Widerspruch zur von Julian vertretenen Philosophie des Iamblichos und der chaldäischen Orakel (siehe Thormann, Konzeptionszeichen auf antiken Münzen? in: Lehmann (Hrsg.), Nub Nefer - Gutes Gold: Gedenkschrift für Manfred Gutgesell, Rahden 2014, S. 179-186).