Auktion 441 - Teil 1 (Lose 4001 - 4284)
Startet in 1 Monat(en) 10 Tag(en)

Orden und Ehrenzeichen aus dem Nachlass von Wilhelm Herzog in Bayern (1752-1837) u. a.

In Kooperation mit Philipp Württemberg Art Advisory GmbH


Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit, besonders Dänemark, Habsburg, Norwegen und Sachsen, u. a. aus der Sammlung des Kommerzialrates Dr. Herbert Wenzel (Habsburg),

der Sammlung Dr. Wolfgang Kümpfel (Ernestiner in Coburg und Gotha),

der Sammlung Jürgen und Erika Schmidt, Bovenden und einer Sammlung aus altem Adelsbesitz

NACHLASS DER HERZÖGE IN BAYERN ORDEN UND EHRENZEICHEN

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Schätzpreis 3.000 €
Startpreis 2.400 €

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KURFÜRSTENTUM (BIS 1806) UND KÖNIGREICH (1806-1918) BAYERN

Persönliches prunkvolles Steinschloß-Jagdgewehr Herzog Wilhelms in Bayern (1752-1837), Düsseldorf oder Solingen, wohl zwischen 1803 und 1806. Gesamtlänge 128 cm; im Ansatz achtkantiger, dann runder glatter Damast-Lauf, mit geätzter Inschrift ". . . * . WILHELM . HERZOG . IN . BAIERN . * . . . "; am Pulversack zwei Marken („stehender Mann, mit Kopf nach (heraldisch) links, mit Lanze oder Langbogen in der rechten Hand, darunter ‚WS‘ “ und „nach (heraldisch) rechts steigender gekrönter Löwe“ – wohl Beschaumarke des Herzogtums Berg), mit gravierter Aufschrift "Schaberg / vergulder / in Solingen"; Feder intakt, glatte Schloßplatte unsigniert; langer dunkler Holzschaft; fein geschnittene, feuervergoldete und kunstvoll verzierte Buntmetall-Beschläge, tlw. auf erhöht herausgearbeiteten Holzpodesten, Rückschlaghinderer gebrauchsbedingt tlw. berieben; geschnitzte Backe, auch um das Schwanzschraubenblatt feine Schnitzerei, Griffbereich gewaffelt, der Schaftbereich mit sternförmigen Zierstiften und feinsten Silberdraht-Einlagen, mit "aufgehender Sonne" und Ranken, einige wenige Draht-Einlagen leicht gelöst; hölzerner Ladestock mit Horndopper; Trageriemen fehlt; trotz hervorragender Erhaltung einige Gebrauchsspuren. II

Exemplar der Sonderauktion von Jan. K. Kube am 27. September 2025 in Sugenheim, Kat.-Nr. 6. – Zwischen 1803 und 1806 residierte Herzog Wilhelm in Bayern als de facto bayerischer Statthalter des Herzogtums Berg in Düsseldorf. Somit dürfte diese imposante, prunkvolle und bedeutende Jagdwaffe eine Anfertigung eines leider nicht identifizierten Büchsenmachers in Düsseldorf oder Solingen sein.

Herzog Wilhelm hatte ein sehr ausgeprägtes, lebenslanges Verhältnis zur Jagd, das sowohl standesgemäß-repräsentativ als auch persönlich-leidenschaftlich geprägt war. Die Jagd war für ihn nicht bloß Pflicht eines Fürsten, sondern ein zentraler Bestandteil seiner Lebensführung als selbstverständlicher Teil seiner hochadeligen Identität. Als pfälzischer Wittelsbacher gehörte er einer Dynastie an, in der die fürstliche Jagdtradition tief verwurzelt war. Sie diente der Repräsentation von Stand und Herrschaft, der Pflege höfischer Netzwerke und der Demonstration von Männlichkeit, militärischer Tüchtigkeit und Naturbeherrschung. Er nahm regelmäßig an Hof- und Parforcejagden teil, wie sie im späten 18. Jahrhundert für den Hochadel typisch waren. Zeitgenössische Hinweise und sein Lebensstil zeigen, daß Wilhelm nicht nur „formell“, sondern aus echtem Interesse und persönlicher Leidenschaft jagte: Er bevorzugte Großwildjagden (Hirsch, Reh und Wildschwein) und war sehr geübt im Umgang mit Jagdwaffen, insbesondere mit Büchsen und Jagdflinten. Jagd bedeutete für ihn auch körperliche Betätigung, Ausdruck ritterlicher Tradition, Ausgleich zum höfischen Leben, und auch Ausdruck von Freiheitsdrang und Naturverbundenheit. So war Herzog Wilhelm im Gegensatz zu anderen rein zeremoniell an Jagden teilnehmenden Adligen und Fürstlichkeiten seiner Zeit, auch immer „praktisch jagend aktiv“.

Er hielt sich bevorzugt dort auf, wo ausgedehnte Jagdmöglichkeiten bestanden, so in Ober- und in Niederbayern und während seiner Zeit als Statthalter des Herzogtums Berg in dessen Gebieten. Schlösser, Jagdhäuser und ländliche Residenzen spielten in seinem Leben eine größere Rolle als städtische Höfe, Paläste und Residenzen – ein weiteres Indiz für seine Jagdneigung. Da Jagdwaffen wie das hier angebotene Steinschloßgewehr neben Gebrauchsgegenständen auch hochwertige Prestigeobjekte waren, ist davon auszugehen, daß er eine ganze Sammlung solcher Jagdbüchsen besessen hat.

Interessant dabei ist, daß Herzog Wilhelm in einer Epoche lebte, in der die aufklärerische Kritik an exzessiver Hofjagd zunahm und die Jagd auch zunehmend reglementiert wurde. Er hielt dennoch am traditionellen Jagdideal fest, ohne jedoch als besonders grausam oder exzessiv überliefert zu sein. So verkörperte er eher den klassischen spätabsolutistischen Jagdherrn als einen reformorientierten Kritiker des Jagdwesens. 

Bei dem hier angebotenen Steinschloß-Jagdgewehr handelt es sich um ein nicht schussfähiges Sammlerobjekt von rein historischem Wert. Dieses Gewehr (Herstellung vor 1.1.1871) kann daher ohne Jagd-/Waffenschein erworben werden und muss nicht in einem gesicherten Waffenschrank aufbewahrt werden.