Auktion 438 - Teil 3 (Lose 776 - 1078)
Startet in 1 Monat(en) 8 Tag(en)

Münzen der antiken Welt, u. a. aus der Sammlung Topp, Dormagen, und der Sammlung Jürgen und Erika Schmidt, Bovenden sowie der Sammlung „The Everglades Collection“

BYZANTINISCHE MÜNZEN BYZANZ

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Schätzpreis 7.500 €
Startpreis 6.000 €

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Irene, 797-802.

AV-Solidus, 802, Constantinopolis; 4,4 g. Beiderseits drapierte Büste v. v. mit Krone, Kreuzglobus und Zepter. DOC 1 a; Sear 1599. R Vorzüglich-Stempelglanz

Exemplar der Sammlung Topp, Dormagen.

Exemplar der Auktion Emporium 67, Hamburg 2012, Nr. 846.

Irene wurde um 752 in Athen geboren. Im Jahr 768 heiratete sie Leo IV. und übernahm nach dessen Tod am 8. September 780 die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn Constantinus VI. Nach dessen Mündigkeit im Jahr 790 kam es zum Konflikt zwischen Mutter und Sohn. Irene wurde als Augusta abgesetzt. Zwei Jahre später gelang es Irene wieder Augusta zu werden und im Jahr 797 ihren Sohn zu stürzen. Sie ließ ihn absetzen und blenden. Dies wird in der orthodoxen Geschichtsschreibung und Hagiographie teils positiv interpretiert, da Constantinus VI. zu den Ikonoklasten zählte, während Irene ikonodul war. 802 wurde Irene gestürzt und nach Lesbos verbannt, wo sie kurz darauf verstarb. Die Krönung Karls des Großen wird häufig als päpstlich-fränkische Reaktion auf das Frauenkaisertum der Irene in Byzanz interpretiert.
Ihre Repräsentation stellt einen Wandel in der Darstellung byzantinischer Kaiserinnen dar: Keine andere Herrscherin wird gleich zweimal auf einer doppelseitigen Münze abgebildet. Dabei führt sie auch die imperialen Insignien: Als Regalia hält sie wie die Herrscherinnen des 6. Jahrhunderts das Kreuzzepter. Nun allerdings in der linken Hand und den Kreuzglobus in der Rechten. Die Krone besteht dabei jetzt aus einem Kreuz zwischen zwei oder vier Zinnen. Zudem hängen an den Seiten jeweils zwei Perlenstränge statt wie zuvor nur einer herab und sie wird immer im loros, dem aufwändigen Zeremoniengewand, dargestellt. Diese oppulente Repräsentation sowie ihre Zuwendungen für Kirchen- und Zivilbauten in Konstantinopel sollten die Angemessenheit und Legitimation ihrer Rolle als erster Basilissa garantieren. Dazu: Wainwright, L. A., Portraits of Power: The Representations of Imperial Women in the Byzantine Empire, Diss. University of Birmingham 2018, S. 193-219.