Auktion 438 - Teil 3 (Lose 776 - 1078)
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Münzen der antiken Welt, u. a. aus der Sammlung Topp, Dormagen, und der Sammlung Jürgen und Erika Schmidt, Bovenden sowie der Sammlung „The Everglades Collection“

BYZANTINISCHE MÜNZEN BYZANZ

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Schätzpreis 15.000 €
Startpreis 12.000 €

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Die Revolte der Heraclii, 608-610.

AV-Solidus, unbestimmte Münzstätte; 4,46 g. Büsten des Heraclius, Exarch von Africa, und seines Sohnes Heraclius, des späteren Kaisers v. v., oben Kreuz//Kreuz auf vier Stufen. DOC -; Sear -. Von größter Seltenheit. Scheint unediert. Prägeschwächen, winz. Kratzer, fast vorzüglich

Exemplar der Sammlung Topp, Dormagen.

Exemplar der Auktion Fritz Rudolf Künker 270, Osnabrück 2015, Nr. 9104.

Solidi der Heraclii kennt Sear nur aus den Münzstätten Carthago und Alexandria. Ein Solidus aus einer weiteren Münzstätte (möglicherweise einer östlichen Militärmünzstätte) tauchte 1998 in der Auktion Sotheby's New York 7214, Nr. 189 auf. Der Avers dieses Solidus ist mit unserem stempelgleich, weist jedoch eine auf die Konsuln bezogene Reverslegende auf, während unser Stück eine kaiserliche Reverslegende zeigt.

Heraclius der Ältere war Exarch von Africa und ein bedeutender Feldherr. Er war möglicherweise wie sein Sohn und späterer Kaiser Heraclius der Jüngere armenischer Abstammung. Im Jahr 608 revoltierte er gegen den byzantinischen Kaiser Phocas. Aufgrund guter Verbindungen der Heraclii zu dessen Vorgänger Mauricius Tiberius wurde die Revolte als Racheakt für die Usurpation des Phocas getarnt. Auch die drohende Gefahr durch die Sasaniden schwächte die Position des Phocas. Im Jahr 605 konnte der persische König Khusrau II. die wichtige byzantinische Festung von Dara in Nordmesopotamien einnehmen. Die Revolte der Heraclii band die Kräfte des Phocas wiederum dergestalt, daß weitere persische Einfälle in Mesopotamien, Armenien, Syrien und Anatolien leicht möglich waren. Die Ereignisse eröffneten den Langobarden in Italien freiere Hand und ein Friedensvertrag mit Byzanz sicherte dem langobardischen Königreich seine faktische Anerkennung. Nach dem Beginn ihrer Revolte wurden die beiden Heraclii vom Senat in Karthago als erste Privatleute seit der Zeit Justinians I. zu Konsuln ernannt. Dieses Amt wird mit d(ominus) N(oster) ЄRACΛIO CONSVLI BA auch prominent in der Averslegende der seltenenen Solidi betont. Der Ehrentitel consul oder exconsul war allerdings für hohe Beamte im 6. und 7. Jahrhundert nicht unüblich. Zwischen den Köpfen der beiden Herrscher befindet sich ein Kreuz, sonst allerdings keine imperialen Insignien, die ihren Herrschaftsanspruch verdeutlichen. Bereits kurz nach ihrer Erhebung konnten sie Alexandria unter ihre Kontrolle bringen und die Getreidelieferungen nach Konstantinopel wurden eingestellt. Im Jahr 609 unternahm der comes Orientis des Phocas, Bonosus, einen erfolglosen Versuch, Ägypten zurückzuerobern. Der spätbyzantinische Historiograph Nikephorus berichtet von einem Wettrennen zwischen dem jüngeren Heraclius und Nicetas, dem Sohn von Gregorius, dem Bruder des älteren Heraclius, um den byzantinischen Kaiserthron. 610 erreichte Heraclius der Jüngere Konstantinopel, wurde zum neuen Kaiser proklamiert und Phocas hingerichtet. Dazu: Grierson, P., The Consular Coinage of "Heraclius" and the Revolt Against Phocas of 608-610, NC 6. Serie 10.37/38 (1950), S. 71-93; Howard-Johnston, J., The Last Great War of Antiquity, Oxford 2012, S. 37-71; Kaegi, W., Heraclius. Emperor of Byzantium, Cambridge 2003.