Münzen der antiken Welt, u. a. aus der Sammlung Topp, Dormagen, und der Sammlung Jürgen und Erika Schmidt, Bovenden sowie der Sammlung „The Everglades Collection“
Los 904

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| Schätzpreis | 350 € |
| Startpreis | 280 € |
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AV-Solidus, 527/538, Constantinopolis, 10. Offizin; 4,5 g. Gepanzerte Büste fast v. v. mit Helm, Speer und Schild//Engel steht v. v. mit Kreuzstab und Kreuzglobus, r. Stern. DOC 3 i; Sear 137. Attraktives Exemplar mit feiner Goldtönung, gutes sehr schön/sehr schön
Exemplar der Sammlung Topp, Dormagen.
Exemplar der Auktion Felzmann 134, Düsseldorf 2011, Nr. 10031.
In die Zeit der Prägung dieses Stücks fällt ein bedeutendes historisches Ereignis. Nach dem unerwarteten vernichtenden Schlag des byzantinischen Feldherren Belisar gegen das Vandalenreich hielt dieser im Jahr 534 einen Triumph ab und fiel Kaiser Justinian zu Füßen. Auf ähnliche Weise war bereits Tiberius bei seinem Triumph 12 v. Chr. vor Augustus auf die Knie gegangen und hatte damit dessen übergeordneten Herrschaftsanspruch bestätigt. Da es sich im Fall Justinians zugleich um den Fußfall des Vandalenführers Gelimer handelte, ist das Ritual als bereits unter Honorius, Valentinian II. und Anastasius im Zuge von Triumphfeierklichkeiten etablierte calcatio zu sehen, das symbolische Niedertrampeln des Feindes durch das Abstellen des Fußes auf seinem Haupt. Belisar wurde zwar nicht in Ketten geführt und in einer pompa von seinem Haus abgeholt, dennoch muß das Nebeneinander mit dem Vandalenherrscher eine deutlich herabsetzende Wirkung gehabt haben. Wahrscheinlich mußte Justinian seine Vormachtstellung gegen den erfolgreichen General, der bereits im Jahr 530 einen wesentlichen Sieg gegen die Perser errungen hatte, in besonderer Weise herausstellen. Laut Prokop soll sich Belisar in Karthago auf den Vandalenthron gesetzt haben, was einem Usurpationsversuch gleichgekommen wäre. Börm, H., Justinians Triumph und Belisars Erniedrigung. Überlegungen zum Verhältnis zwischen Kaiser und Militär im späten römischen Reich, in: Chiron 43 (2013), S. 63-91.