Münzen der antiken Welt, u. a. aus der Sammlung Topp, Dormagen, und der Sammlung Jürgen und Erika Schmidt, Bovenden sowie der Sammlung „The Everglades Collection“
Los 103

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| Schätzpreis | 750 € |
| Startpreis | 600 € |
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AV-Stater (Regenbogenschüsselchen), 75/50 v. Chr.; 7,29 g. Vogelkopf l., davor Dreiviertelkranz//Torques mit Kugeln und Strichen. Kappel, Der Münzfund von Mardorf, Germania 54, 1976, Nr. 40; Kellner Typ II D; Slg. Flesche 303 var. Variante von größter Seltenheit. Sehr schön
Exemplar der Sammlung Topp, Dormagen.
Exemplar der Auktion Jacquier 22, Kehl am Rhein 1999, Nr. 24.
Datierung nach M. Nick: Gabe, Opfer, Zahlungsmittel. Strukturen keltischen Münzgebrauchs im westlichen Mitteleuropa, Band 1, Rahden 2006, S. 30.
Bei dieser seltenen Variante gehen die Striche auf der rechten Seite von den Kugeln zum Torques. Sehr viel häufiger sind sie hingegen auf der linken Seite zu finden.
Die Masse der keltischen Regenbogenschüsselchen wurde von ca. 150 bis 50 v. Chr. wahrscheinlich in Bayern geprägt. Die Kelten waren als Söldner und durch den Handel im Vergleich zu weiten Teilen des Mittelmeerraums erst verhältnismäßig spät mit der hellenistischen Münzprägung in Kontakt gekommen. Während die ersten keltischen Goldmünzen in Süddeutschland wahrscheinlich bereits in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. emittiert wurden, nahmen sie eher eine Funktion als Opfergabe als als Zahlungsmittel ein (Nick 2006, S. 82). Erst in der Mitte des 2. Jahrhunderts nimmt ihr Verbreitungsgebiet erheblich zu. Die sogenannten Vogelkopfstatere zeigen auf dem Avers einen Vogelkopf im Blattkranz, der aufgrund des gebogenen Schnabels möglicherweise als Adler zu deuten ist. Vögel spielen in zahlreichen keltischen Mythen eine zentrale Rolle. So verwandelt sich beispielsweise Morrígan, die große Mutter- und Kriegsgottheit, bei ihrem Flug über das Schlachtfeld in einen Vogel. Botheroyd, S. und P. F., Lexikon der keltischen Mythologie, Wien 2004, S. 401.